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Gommern - Zentrum der Erdöl-Erdgas-Industrie in Ostdeutschland

(Klaus Schulze, Peter Wambach)

 
Bohranlage, hier zur Sonderbehandlung eingesetzt
 

 

 

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Für den Aufbau einer geologischen Industrie in der DDR, die vor allem wichtige Rohstoffe wie Kohle und Erze sowie Erdöl und Erdgas erkunden sollte, wurde wegen seiner zentralen und verkehrsgünstigen Lage 1951 Gommern als Standort für den technischen Ausrüstungsbetrieb der Staatlichen Geologischen Kommission ausgewählt. Dieses Zentrale Reparatur- und Ausrüstungswerk (ZRAW) wurde 1951-1953 nach modernsten Gesichtspunkten auf einer Fläche von 40 ha mit Werk- und Lagerhallen, Heizwerk, Gleisanlagen sowie Büro-, Labor- und Sozialgebäuden errichtet. Gleichzeitig mit dem Zuzug von Arbeitskräften, zuerst vom Schachtbau Nordhausen und dem Kupferschieferbergbau Mansfeld, später insbesondere von der Wismut (Uranerzbergbau) begann der Bau der ersten Wohnblöcke in der Nähe des Werkes. Die beiden Schornsteine des Heizkraftwerkes von 65 und 62 m Höhe sowie die 1963 für Forschungs- und Ausbildungszwecke errichtete Bohranlage vom Typ 5D-Uralmasch bestimmten jahrelang die Silhouette der Stadt Gommern.
Der wachsende Energiebedarf der Wirtschaft machte Ende der 50er Jahre eine intensive Suche und Erkundung von Erdöl und Erdgas erforderlich. So wurde aus dem VEB Geologische Erkundung 1957 der VEB Erdöl-Erdgas Gommern ausgegliedert, der später erst zu einem Kombinat, dann zu einer Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) umgewandelt wurde. Gommern wurde dabei Sitz der Zentrale sowie des VEB Zentralen Reparatur- und Ausrüstungsbetriebes (ZRAW), des VEB Bohrlochzementierung (BLZ), des VEB Bohrlochmessung (BLM) und des Forschungsinstitutes für die Erkundung und Förderung von Erdöl und Erdgas (FIEE).

Ende der 50er Jahre begann eine intensive Erkundung und Suche von Lagerstätten mittels Geophysik und Bohrungen vor allem im Thüringer Becken und im Nordteil der damaligen DDR. Spezielle Erkundungsbetriebe wurden gebildet in Gotha für Thüringen, in Ludwigslust (später Stendal) für die Altmark und das Harzvorland, in Grimmen für Mecklenburg-Vorpommern und in Mittenwalde südlich von Berlin für Ostbrandenburg und die Lausitz. Dazu kam ein Betrieb für die Errichtung von Untergrundgasspeichern (UGS), der erst in Burg, später in Stendal und zuletzt in Mittenwalde angesiedelt war. Mit dem Nachweis der bedeutenden Erdöllagerstätten Reinkenhagen, Grimmen und Lütow im Norden wurde der Aufbau eines Förderbetriebes in Reinkenhagen notwendig, ebenso wie in Salzwedel nach Aufschluß der Erdgaslagerstätte Salzwedel-Peckensen. Insgesamt waren zeitweise ca. 6 500 Beschäftigte in der Erdöl-Erdgas-Industrie tätig.

Erdgassonde mit Eruptionskreuz
  

Die Erkundungs- und Förderarbeiten erfolgten mit ständiger Unterstützung von Fachleuten aus der damaligen UdSSR, die zeitweilig in der DDR arbeiteten. Darüber hinaus gab es eine enge wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit den sowjetischen Instituten VNIGNI Moskau zur Höffigkeitseinschätzung des Gebietes der DDR, VNIIGaz Moskau zur Abbauprojektierung der Erdgaslagerstätte Salzwedel sowie VNIIBT Moskau zur Vorbereitung und Durchführung der übertiefen Bohrungen. Der Aufschluss der Lagerstätten in der Altmark erfolgte über viele Jahre mit gemischten deutsch-sowjetischen Bohrbrigaden. Auch mit den anderen Ostblock-Staaten fand im Rahmen des Rates der gegenseitigen Wirtschaftshilfe (RGW), aber auch auf bilateraler Basis seit 1960 eine enge Zusammenarbeit statt, so mit den Erdölinstituten von Polen (Krakau), der Tschechoslowakei (Brünn), von Ungarn (Budapest), Rumänien (Sinaia) und Bulgarien (Sofia).

Zunehmend kamen auch technische und wissenschaftliche Kräfte der DDR im Ausland zum Einsatz, so z.B. in dem polnisch-deutsch-sowjetischen Gemeinschaftsunternehmen Petrobaltik in Danzig zur Erkundung der Ostsee sowie im Irak und in Mocambique.

Die komplizierten geologischen Bedingungen im Nordosten Deutschlands mit den tiefliegenden potentiellen öl- oder gasführenden Horizonten im Rotliegenden und Devon, die von sehr mächtigen Salzschichten des Zechsteins überdeckt sind, erforderten das Abteufen von übertiefen Bohrungen. Deshalb folgten umfangreiche technisch-technologische Forschungen, um die sehr schwierigen Bohr- und Messarbeiten bei hohen Temperaturen und Drücken zu beherrschen. Neben der Entwicklung leistungsfähiger Bohrwerkzeuge stellten insbesondere Temperaturen von 250C und darüber, Drücke von über 1000 bar und der negative Einfluss der durchbohrten plastischen Salzformationen hohe Anforderungen an Bohrspülungen und Bohrlochzemente, die für diese Parameter entwickelt werden mussten. Gleiches gilt auch für Testausrüstungen und Bohrlochmessapparaturen.

Zentrale Erdgassammelstation Steinitz (Altmark)
Im Zeitraum von 1968 bis 1989 wurden auf dem Gebiet der ehemaligen DDR 10 Bohrungen mit Teufen über 6.000 m niedergebracht. Damit war die DDR seinerzeit führend auf dem Gebiet der übertiefen Bohrungen, und hatte 1979 mit der Bohrung Mirow 1 mit einer Endteufe von 8.008 m die damals tiefste Bohrung Europas.

Übertiefe Bohrungen in der ehemaligen DDR

Bohrung     Bohrbeginn  Endteufe   Endhorizont   
Parchim 1                1968 7.030 m                Karbon (Namur B)
Loissin 1 1970    7.105 m Ordovizium
Penkun 1 1971 6.015 m Perm (Rotliegendes)
Friedland 1  1971 6.500 m Perm (Rotliegendes)
Boizenburg 1 1974 7.012 m Karbon (Namur B)
Mirow 1 1974 8.008 m Perm (Rotliegendes)
Grevesmühlen 1 1978 6.711 m Perm (Rotliegendes)
Pröttlin 1 1981 7.008 m Karbon (Namur A)
Pudagla 1 1986   7.550 m  Devon
Schwerin 1 1987 7.343 m Perm (Rotliegendes)

In den höffigen Gebieten Thüringens, Südostbrandenburgs und Vorpommerns wurden trotz anfänglicher Skepsis und mehrfacher Rückschläge einige bedeutende Erdöllagerstätten im Zechstein erkundet und abgebaut.  So erreichte die Erdölförderung aus den Lagerstätten Lütow und Reinkenhagen in Vorpommern sowie Döbern, Tauer, Guben und Wellmitzer Lagune in Südostbrandenburg im Jahre 1968 ein Maximum von 325.000 t/Jahr und betrug 1994 immer noch ca. 80.000 t/Jahr.
Der größte wirtschaftliche Erfolg gelang 1968 mit dem Nachweis der Erdgaslagerstätten im Rotliegenden der Altmark. In kürzester Zeit wurden die Lagerstätten aufgeschlossen, und bereits 1975 erreichte die Erdgasförderung rund 9 Mrd. m3/Jahr, was damals etwa der Hälfte des gesamten Gasbedarfs der DDR entsprach. 1983 konnte mit einer Förderung von 12,5 Mrd. m3/Jahr ein Maximum erreicht werden. Das relativ methanarme Gas wurde über Sonderleitungen den Industrieabnehmern direkt zugeleitet (darunter: Stickstoffwerk Piesteritz, Kraftwerk Magdeburg-Rothensee, Zementwerke Bernburg u.a.).

Nach der Wende wurde das Erdöl-Erdgas-Kombinat Gommern in Einzelbetriebe umgewandelt und privatisiert; die Erdöl Erdgas Gommern GmbH führt derzeit als Tochter des Konzerns Gaz de France Aufgaben der Suche, Erkundung und Produktion von Erdöl und Erdgas weiter, während weitere Betriebe wie BLZ Geotechnik, GWU u.a. Serviceleistungen durchführen. Die Lagerstätten sind zum Teil erschöpft oder nicht mehr rentabel zu fördern; sie sind dann Gegenstand umweltgerechter Verwahrung durch Rückbau.

Bis Ende 1996 wurden auf dem Gebiet Ostdeutschlands folgende Mengen an Erdöl und Erdgas gefördert:

    Erdöl (in t)

Lagerstätte              Fundjahr Förderung 1996

Förderung insgesamt

Atterwasch/Guben    1968    1.262  59.339
Breslack 1989 3.372  94.022
Fürstenwalde 1990 0 28.602
Kietz 1987 0 8.358
Kirchdorf/
Mesekenhagen
1988 5.064 73.178
Lütow 1965 9.578 1.250.879
Ratzdorf 1988 5.006 68.356
Steinsdorf 1986 3.865 63.901
Wellmitz 1980 1.115 78.108
Ält. Vorkommen
Mecklb./Vorpomm.,
Brandenburg
    1.143.910
Ält. Vorkommen
Thüringen
    49.353

    Erdgas (in Mrd. m3)

Gebiet             Fundjahr Förderung 1996

Förderung insgesamt

Altmark ab 1968 3,088 190,796
Thüringen ab 1932 0,131 6,689
u.a.