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Entstehung und Aufbau des

G E S T E I N S G A R T E N S   G O M M E R N
 

 

Heft des Landesheimatbundes (in Vorbereitung) mit den Vorträgen zum Kolloquium

"Wie sich eine kleine Stadt ihre Geschichte bewahrt“ in Gommern vom 24.05.2003        

Der Gesteinsgarten Gommern –

ein geologischer Park in der Tradition von Steinbruch- und Erdölindustrie                                                          

                                                                                                                                     

Klaus Schulze, Hans Klauß und Peter Wambach

 

Der Gesteinsgarten Gommern liegt im Süden der Stadt an der Bundesstraße 246 A nach Schönebeck/Elbe und schließt sich an das Hotel Robinienhof an. Der  Kulk , ehemals ein Steinbruch und heute ein beliebter Angel- und Badesee, die Anhöhe des "Knacker" mit dem Aussichtsturm, sowie die majestätische Wanderdüne Fuchsberg  mit dem Heidegarten im Hintergrund bilden zu jeder Jahreszeit eine stimmungsvolle Kulisse.

                                                                         

Im Jahre 1994 wurde die Idee geboren, in Gommern einen Gesteinsgarten aufzubauen, galt es doch, die Stadt für Touristen interessant zu gestalten. Darüber hinaus war Gommern mit seiner langjährigen geologischen Tradition, den Steinbrüchen zur Quarzitgewinnung seit dem Mittelalter und der Erdöl-Erdgas-Industrie 1952 – 1990, prädestiniert für ein solches Vorhaben.

 

Recherchen hatten ergeben, dass außer einigen kleinen Gesteinssammlungen regionaler Art in Parks oder kleinen Freiflächen noch  keine Anlage existiert, in der man die unterschiedlichen Gesteinsarten unserer Erde betrachten kann. Damit zeichnete das Vorhaben eine gewisse Einmaligkeit aus. Der damals noch existierende Kulturverein Gommern e.V. und der Bürgermeister wurden angesprochen und für den Plan begeistert. Wenn auch anfangs noch Skepsis herrschte und man sich unter einem Gesteinsgarten konkret nichts vorstellen konnte, wurde doch von allen Seiten Unterstützung zugesagt. Einige Enthusiasten waren schnell gefunden, und so fasste der Stadtrat im Herbst 1994 einen Beschluss zum Aufbau des Gesteinsgartens in Gommern.

Schwieriger war es, einen geeigneten Standort zu finden. Nach anfänglichen Überlegungen, ihn in der Umgebung der Wasserburg anzulegen, entschieden wir uns dann doch für das neu gestaltete Erholungsgebiet um den Kulk. Auch das Problem des Ausbaues und der Gestaltung konnte mittels eines ABM-Projektes, welches einigen Einwohnern wieder zu einem Arbeitsplatz verhalf, schnell geklärt werden. Die Pläne zum Aufbau wurden in der Presse publik gemacht, und es fanden sich bald einige Sponsoren, die die notwendige Unterstützung gaben.

 

Durch private Recherchen und durch die Unterstützung der Geologischen Landesämter wurden noch produzierende Steinbruchbetriebe und die dort abgebauten Gesteinsarten ermittelt. Mit diesen Informationen wurden die ersten Firmen in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen um die Bereitstellung entsprechender Gesteinsblöcke gebeten.

 

Unsere Anfragen stießen bei den Steinbruchfirmen auf großes Interesse für ein derartiges  Vorhaben und die Bereitschaft, uns zu unterstützen. Im November 1994 und Februar 1995 rollten die ersten Gesteinsblöcke an. Es waren Gips und Anhydrit aus dem Südharz, Dolomit und Schiefer aus Thüringen und Granite aus Sachsen. Insgesamt 24 große Gesteinsbrocken konnten nach Gommern geholt werden. Sie erhielten ihren Platz auf den vorbereiteten Fundamenten auf den sonst noch ungepflegten Flächen am Kulk. Die gärtnerische Gestaltung des Geländes erfolgte durch Maßnahmen der Beschäftigungsgesellschaft Gommern (BQG) und mit dem Aufbau des Hotels "Robinienhof".

 

Am 21.April 1995 war es dann soweit. Der Bürgermeister der Stadt Gommern, Herr Petersen, eröffnete mit den Initiatoren und im Beisein zahlreicher interessierter Bürger aus Gommern den Gesteinsgarten am Kulk. Noch lagen die großen Blöcke etwas verloren in der Landschaft, und auch in der Bevölkerung herrschte noch überwiegend Skepsis. Doch das Interesse war geweckt, und bald überwogen die Fragen nach dem Nachschub aus anderen Regionen. Dank der Hilfe der Steinbruchindustrie konnten die nächsten Fahrten organisiert und weitere Gesteinsblöcke  aus dem Erzgebirge, der Lausitz, dem Thüringer Wald und dem Harz geholt werden. So umfasste die Sammlung Ende 1995 bereits fast 70 unterschiedliche Gesteine.   

 

Der schnelle Zuwachs erforderte bald eine Neuordnung und Sortierung der Gesteine, um eine gewisse Systematik zu wahren. Jedoch der sprunghafte Anstieg neuer Exemplare aus allen Teilen Deutschlands sowie die unüberwindlichen räumlichen Schwierigkeiten beim Einsatz schwerer Hebetechnik machten weitere Umlagerungen unmöglich. Da die Sammlung nicht in erster Linie wissenschaftlichen Zwecken dient, sollte dies aber keine große Rolle spielen.

 

Im Mai 2003 hat der Bestand im Gesteinsgarten  über 220 Blöcke von fast 200 verschiedenen Vorkommen und Varietäten erreicht. Aus Deutschland sind nahezu alle derzeit zwischen Wesergebirge, und Flechtinger Scholle im Norden,  Rüdersdorf bei Berlin und Oberlausitz im Osten, Bayerischer Wald, Alpen und Schwarzwald im Süden, Saarland und Eifel im Westen gewonnenen Festgesteine aufgestellt. Darüber hinaus ist mit Steinen aus Ungarn, Österreich, Bulgarien, Slowakei, Polen, Frankreich, Norwegen und Spanien halb Europa vertreten. Die ältesten Gesteine Europas aus Skandinavien und dem Ostseeraum sind in den eiszeitlichen Findlingen aus dem Deckgebirge der Braunkohlentagebaue zu finden. "Exoten" sind ein Serpentinit aus Kuba und Lavaproben aus Island.

 

Aufbau, Erweiterung und fachliche Aufsicht hat ein ehrenamtlicher Verein "Gesteinsgarten Gommern". In ihm sind ehemalige Angehörige des Erdöl- Erdgas-Kombinates, Geowissenschaftler und Ingenieure, sowie interessierte Bürger der Stadt und ihrer Umgebung, Geschäftsleute, das Hotel "Robinienhof" und Privatpersonen vereint. Die Gesteinsblöcke wurden von den Steinbruchbetrieben mit großem Entgegenkommen kostenlos gespendet. Die Brocken haben jedoch ein Gewicht von mindestens 1-3 Tonnen (die größten Objekte über 10 t). Sie sind nur mit Hilfe schwerer Technik zu transportieren und aufzustellen (Tieflader, mobile Kräne, Radlader). Die Transportwege betragen viele Hundert Kilometer.

 

Hierbei ist der Verein auf die technische Unterstützung durch die Betriebe der Umgebung und  auf die finanzielle Hilfe vieler Sponsoren angewiesen. Große Unterstützung hat die Erdöl-Erdgas GmbH Berlin (vormals Gommern) gegeben.

 

Unterstützt haben die Stadt Gommern, die Beschäftigungsgesellschaft BQG, die Lotto-Toto-Gesellschaft Sachsen-Anhalt, die Stadt Magdeburg, die Partnerstädte Königslutter am Elm und St.Jean de la Ruelle  (Frankreich), Unternehmen, Geschäftsleute, aber auch Privatpersonen und Fachtagungen.

 

Inzwischen ist der Gesteinsgarten Gommern nicht nur in der einheimischen Bevölkerung anerkannt und ein beliebtes Ziel. Durch zahlreiche Veröffentlichungen in Presse und Rundfunk sowie durch Sendungen im Fernsehen ist er bereits überregional bekannt geworden und reizt immer mehr Leute aus nah und fern zu einem Besuch. Damit konnte eines der wesentlichsten Ziele, eine touristische Attraktion für Gommern zu schaffen, schon erreicht werden. 1998 wurde eine Broschüre über den Gesteinsgarten herausgegeben. Seit 2000 ist der Gesteinsgarten im Internet unter www.gesteinsgarten.de zu finden.

 

Schulklassen, Ferienkinder, Seniorengruppen, Teilnehmer an Fachtagungen und Klassentreffen, Kurgäste aus dem benachbarten Schönebeck-Salzelmen – sie alle nutzten gern  eine Besichtigung des Gesteinsgartens unter fachkundiger Führung der Vereinsmitglieder. Die Führungen sind unbürokratisch telefonisch zu bestellen. Der Gesteinsgarten ist jederzeit zugänglich, die Führung kostenlos. Natürlich ist der Verein dankbar für jede Spende zur Erweiterung und Erhaltung der Anlage. Die populärwissenschaftliche Beschäftigung mit der Natur und den Gesteinen – Geologie zum Anfassen und Ersteigen – steht im Vordergrund.

 

Aber es haben bereits namhafte Wissenschaftler und geowissenschaftliche Arbeitskreise den Garten besucht, nicht ohne wertvolle Anregungen zu geben. So übergab der ranghöchste Geowissenschaftler der Bundesrepublik Prof. F.W.Wellmer , seines Zeichens Präsident der Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe und Präsident der Deutschen Geologischen Gesellschaft  einen Stein an den Gesteinsgarten. Prof. K.Keil  aus den USA hielt im Gesteinsgarten-Verein einen Vortrag über die Erforschung des Sonnensystems. Wertvolle Anregungen gaben die Professoren Gotte (Berlin) und Reinsch (Braunschweig).    

 

Vielfältig sind die Gesteinsarten mit ihren unterschiedlichen Farben, Formen und Strukturen. Bedingt ist dies zuallererst durch die unterschiedliche Entstehung und Zusammensetzung.

Deutlich unterscheiden sich die im Erdinnern aus dem Magma grob auskristallisierten Tiefengesteine (wie z.B. der Granit) von den Gesteinen der Vulkane, die an der Erdoberfläche aus Lava und Asche erstarrt sind: der rote Porphyr, der schwarze Basalt und der poröse Tuff. 

Sediment- oder Schichtgesteine sind von Wasser, Wind oder Eis abgesetzt, so die verschiedenen Tonsteine, Sandsteine und Konglomerate.  Auch Lebewesen wie Algen, Schwämme, Korallen, Muscheln und Schnecken können ganze Gesteinsmassive aufbauen wie manche Kalksteine. Andere Ablagerungen sind rein pflanzlicher Herkunft, z.B. die Braunkohle, in der noch ganze Baumstämme vorkommen können. Sandstein und Dolomit sind diejenigen Speichergesteine, die die wichtigsten ostdeutschen Erdöl- und Erdgaslagerstätten enthalten haben.

 

Schließlich haben die geologischen Vorgänge bei der Entstehung der großen Faltengebirge unter hohen Drücken und Temperaturen ältere Gesteine bis zur Unkenntlichkeit umgewandelt, z.B. ausgewalzt zu plattigen Schiefern und Gneisen oder umkristallisiert zu Marmor und Serpentinit. Der Fachmann kann in den Gesteinen lesen wie in einem Buch. Anhand ihrer Zusammensetzung und ihrer Einschlüsse wie Fossilien, Lebensspuren, Minerale und Kristalldrusen kann er ihre Entstehungsgeschichte wie ein Kriminalist rekonstruieren.

 

So groß die Artenvielfalt der Gesteine ist, so vielfältig sind auch die Nutzungsmöglichkeiten. Steine sind nicht nur seit alters her Baumaterial, angefangen von berühmten Grabstätten, Burgen, Wällen und Kirchen in Frühzeit und Mittelalter bis zum Straßenbau um 1900. Steine sind ebenso lange genutzt zur Gewinnung von Metallen. Der Gesteinsgarten führt eine Reihe von solchen wichtigen Erzen, auch solche, die als Erze nicht sofort erkennbar sind. Beliebt und begehrt sind Steine  zur Dekoration von Prachtbauten wie Kirchen und Schlösser, oder als Lieferant von Edelsteinen für die Schmuckherstellung.

 

So vielfältig die Gesteinsarten und ihre Nutzungsmöglichkeiten durch den Menschen sind, so unterschiedlich ist auch die Größe und die äußere Form der Gesteinsblöcke. Die äußeren Formen sind natürlich einerseits von der Gesteinsstruktur und den geologischen Bedingungen, aber zum größten Teil von der Art und Technik der Gewinnung im Steinbruch bestimmt. Es können daran alle Techniken der Steinverarbeitung abgelesen werden: Sprengen, Meißeln, Bohren,  Sägen, Schleifen, Polieren. Wenn man dann erfährt, dass  anstelle des Badesees Kulk bis zum 1.Weltkrieg ein Steinbruch mit senkrecht abfallenden Wänden und einer Tiefe von rd. 20 m existierte, und ein Schrägaufzug die schwerfälligen Holzloren auf die Anhöhe des "Knacker" zog, wo anstelle des Aussichtsturmes eine Brecheranlage befand, dann schließt sich wieder der Kreis zu den geologischen Traditionen von Gommern.  

 

Gommern, Januar 2004